Mo

01

Mär

2010

Schmieds neuer Stundenplan

Die Regierung beschließt einen Fahrplan zum Ausbau der Ganztagsschule. Strittig ist, wie viele Plätze benötigt werden.

Politik ist auch ein Geduldsspiel. Seit Langem debattieren SPÖ und ÖVP über die Ganztagsschule. Auch Bildungsministerin Claudia Schmied (SPÖ) hat schon mehre Versuche unternommen, den von ihr gewünschten Ausbau der Ganztagsbetreuung auf Schiene zu bringen. Nun gibt es einen neuen Anlauf.

Einen Grundkonsens darüber gib es zwar mittlerweile längst zwischen den Regierungsparteien; über die Umsetzung und den Bedarf wird aber nach wie vor gestritten.  

Bei der Regierungsklausur Montag und Dienstag in Graz wird Schmied nun der versammelten Ministermannschaft ihre Pläne darlegen. Das Ziel: Ein "grundsätzliches Bekenntnis" der Koalition zum "möglichst raschen" Ausbau der ganztägigen Schulangebote. "Wichtig ist, dass die gesamte Regierung hinter dem wichtigen Projekt des Ausbaus von ganztägigen Schulangeboten steht", sagt Schmied dem KURIER.

Masterplan
Bis Sommer soll in einer Arbeitsgruppe mit Ländern und Gemeinden (die für Volks- bzw. Hauptschulen zuständig sind) ein "Masterplan" ausgearbeitet werden. Geht es nach Schmied, so soll die Zahl der Ganztagsplätze bald verdreifacht werden.

 

Derzeit sind 120.000 Kinder in Tagesbetreuung in Schulen und Horten. Laut einer Ifes-Umfrage im Auftrag des Bildungsministerium würden - bei entsprechendem Angebot - aber die Eltern von 350.000 Kindern Ganztagsbetreuung in Anspruch nehmen. "Für mich ist das ein klares Signal an die Politik, die Angebote engagiert auszubauen", sagt Schmied. Rückenwind bekam sie erst kürzlich durch die Volksbefragung in Wien: Hier sprachen sich 74 Prozent für den Ausbau der Ganztagsschule aus.

ÖVP skeptisch
Beim Regierungspartner dürfte Schmied allerdings noch einiges an Überzeugungsarbeit zu leisten haben. ÖVP-Chef Josef Pröll ist zwar "bereit, mehr Geld auszugeben". Aber: "Die Ministerin muss valide Umfragen vorlegen, die zeigen, wie viel Bedarf wir haben." Die Ifes -Umfrage allein ist ihm als Bedarfserhebung zu wenig.

Grundsätzlich bekennt sich die ÖVP jedoch zum Ausbau der Ganztagsschule. Schmieds Pläne sind mit Wissenschaftsministerin Beatrix Karl abgestimmt - und vorerst eher allgemein gehalten. Eine Festlegung auf die Zahl der Ganztagsplätze gibt es noch nicht.

Wahlfreiheit
Wohl auf Wunsch der ÖVP ist der Ausbau auf Wahlfreiheit angelegt: Niemand muss Ganztagsbetreuung in Anspruch nehmen; wer will, soll aber die Möglichkeit dazu haben.

 

Gut möglich auch, dass sich zum Beispiel die Wiener Ganztagsschule am Ende von jener in Tirol grundlegend unterscheiden wird. "Im ländlichen Raum gibt es ja Möglichkeiten, mit der Gemeinde und den Vereinen zu kooperieren", sagt Schmied. In der Stadt werde sich wohl eher die "klassische", verschränkte Ganztagsschule durchsetzen: Unterricht, Lernen, Sport und Freizeit an einem Ort, über den Tag verteilt. Auf die finanzielle Dimension der Ganztagsoffensive will sich Schmied noch nicht festlegen - die sei von der genauen Umsetzung abhängig. Allein die Mehrkosten bei den Lehrern würden bei einem Ausbau der Betreuung auf 350.000 Plätze aber mehrere Hundert Millionen Euro betragen.

 

(Kurier)

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