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14

Okt

2009

Die Schule, die ÖVP und der Unsinn von gestern

Bildungspolitik ist eine Investition in die Zukunft. Nicht nur in die Zukunft der Kinder, die in unserem Bildungssystem groß werden, sondern auch in die Zukunft der politischen Parteien. Deshalb ist Bildungspolitik zwischen Rot und Schwarz auch seit Jahrzehnten umstritten und umkämpft.

>>Salzburger Nachrichten<<

Dazu muss man wissen, dass „Bildung für alle" einmal ein Ziel der Sozialdemokratie war, das konservative Parteien in ganz Europa nur widerstrebend gewähren wollten. Im Verein mit den Kirchen verteidigten Konservative Jahrzehnte ein Bildungsmonopol, weil sie fürchten mussten, dass mit wachsendem Wissen und mit besserer Ausbildung junge Leute sich anderen politischen Richtungen zuwenden könnten.


Der Versuch, in Österreich Schulen einzurichten, wie sie rundum in Europa gang und gäbe sind, mit Betreuung der Kinder den ganzen Tag über, galt der Volkspartei deshalb als Teufelswerk. Die propagandistischen Tricks, mit denen den Leuten von der Ganztagsschule abgeraten wurde, hätten den größten Lügnern und Schwindlern des vergangenen Jahrhunderts zur Ehre gereicht.


Da war von der „Zwangstagsschule" die Rede, in der die armen Kleinen geschunden und gequält und von linkslinken Lehrern indoktriniert und zum Aufruhr gegen die bedauernswerten Eltern aufgestachelt würden. Vom abgefeimten Plan sozialistischer Kinderverführer war die Rede, die einen Keil mitten in die Familien treiben sollten, damit die Jugend dann später den Versuchungen von Hedonismus und Sozialismus erliegen müssten.


Noch vor wenigen Monaten tönte aus der Volkspartei wie ein Chor der aufrechten Männer, dass die Ganztagsschule ein großes Übel sei und die Unterrichtsministerin sei unfähig und rücktrittsreif - und überhaupt. Das Gleiche galt, als dieselbe Unterrichtsministerin meinte, die Lehrer sollten länger in der Schule anwesend sein.

 

Und jetzt? Ganz plötzlich ist alles möglich, was jahrzehntelang des Teufels war. Plötzlich fordert ein schwarzer Staatssekretär, die Lehrer sollten mehr Zeit in der Schule verbringen, und ein schwarzer Minister drängt gar, die Ministerin tue zu wenig, um endlich die segensreiche, unabdingbar nötige und wahrhaft zukunftsweisende Ganztagsschule zu verwirklichen.


Es ist kein Wunder, dass einer der Säulenheiligen der Konservativen in Europa, der deutsche CDU-Bundeskanzler Konrad Adenauer, vor allem für einen Satz wahre Berühmtheit erlangte. Als man ihn auf einen besonders abrupten Kurswechsel in seiner Politik hinwies, meinte der Mann trocken: „Was schert mich mein dummes Geschwätz von gestern?"

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