Mo
27
Jul
2009
Farbenlehre
Affäre. An der Wiener Pädagogischen Hochschule gehen die Wogen hoch: Eine Mitarbeiterin des Wiener Stadtschulrats soll den Posten der Vizerektorin bekommen. An allen anderen Schulen in Österreich herrscht Ferienruhe, an der Wiener Pädagogischen Hochschule gibt es Wirbel.
Mag. Dr. Brandsteidl
Der Hintergrund der Aufregung ist eine Postenbesetzung: Die Pädagogische Hochschule (PH) ist seit Herbst 2007 für die Aus- und Weiterbildung von Lehrern zuständig. Nun soll das lange vakante Amt des Vizerektorats besetzt werden. Beworben hat sich dafür, unter anderem, Ruth Petz, SPÖ-Bezirksrätin in Wien-Ottakring und Leiterin der Präsidialabteilung im Wiener Stadtschulrat. Praktischerweise sitzt ihre Chefin, Stadtschulratspräsidentin Susanne Brandsteidl, im Hochschulrat, dem fünfköpfigen Auswahlgremium für den Vizerektorsposten. Auch der Wiener SPÖ-Vizebürgermeister Michael Ludwig ist in dem Gremium vertreten. Das Resultat: Petz führt den Dreiervorschlag an.
"Aus meiner Sicht sind auf dem Dreiervorschlag nicht die Bestqualifizierten gereiht, kritisiert der Star-Genetiker Markus Hengstschläger, der ebenfalls dem Hochschulrat angehört und dort gegen die Reihung gestimmt hat. Der Vorsitzende des Gremiums, der langjährige Sektionschef im Bildungsministerium, Heinz Gruber, sieht die Auswahl hingegen pragmatisch: "Die Hochschule ist leider Befehlsempfängerin des Ministeriums und des Stadtschulrats. Natürlich wird die Kontrolltendenz verstärkt, wenn man jemand aus dem Stadtschulrat kürt. Aber wenn diese Abhängigkeit ohnehin gegeben ist, tut sich eine Person leichter, die Kontakt zu den Behörden hat."
Gute Verbindungen zum Stadtschulrat hat Petz zweifelsohne. Ansonsten ist sie ausgebildete Italienischlehrerin. Sie hält sich damit für das Amt der Vizerektorin, die für Fortbildung zuständig ist, für "ausreichend qualifiziert". Letztlich entscheiden muss darüber nun Bildungsministerin Claudia Schmied, die diese Woche den Dreiervorschlag bekommt und ihn dann bewerten muss.
Alleingang. ÖVP-Nationalratsabgeordnete Katharina Cortolezis-Schlager hält die Bestellung für mangelhaft. Sie weiß von qualifizierten Universitätsangehörigen zu berichten, die ihre Bewerbung kurzfristig wieder zurückgezogen haben, weil "die Parteipolitik zu stark in die Bestellung hineinspielt". Auch ein Gutachten des Verfassungsjuristen Gerhard Strejcek wirft Zweifel am Auswahlmodus auf. Strejcek bemängelt unter anderem den "Alleingang des Hochschulrats, der die Rektorin bei der Beschreibung der Funktion der Vizerektorin und auch bei ihrer Kür nicht eingebunden habe. Daraus folgen Bedenken, ob wirklich die Bestqualifizierten gereiht worden seien", sagt Strejcek zu profil. Die Rektorin der Hochschule, Dagmar Hackl, möchte keine Stellungnahme abgeben. Sie sagt nur: "Nun ist die vorgesetzte Behörde, also das Bildungsministerium, am Wort."
Rektorin Hackl
Hackl ist allerdings selbst auch umstritten. Als sie vor drei Jahren zur Rektorin gekürt wurde, gab es ähnlich lautende Proporzvorwürfe, wenn auch mit genau umgekehrten politischen Vorzeichen. Damals erregte sich die SPÖ, dass die ÖVP nur ihre Parteifreunde an die damals neu geschaffenen Pädagogischen Hochschulen bestelle. Die seinerzeitige Bildungsministerin Elisabeth Gehrer ernannte für Wien eben Hackl, die im Ministerium und in der ÖVP-Frauenbewegung gearbeitet hatte. Nun verlaufen die Anschuldigungen der Farbenlehre in die andere Richtung. Insider im Bildungsministerium geben auch offen zu, dass mit der Bestellung des Vizerektorspostens versucht werde, die Pädagogischen Hochschulen wieder zurückzufärben.
SLÖ Vorsitzender Dumser
Rund um das Auswahlverfahren eskaliert nun die Kritik an Hackl. Auf Flugblättern, bei Demonstrationen und in Anfragen an das Bildungsministerium wird ihr Mobbing gegen Lehrer und Willkür bei der Auswahl und Weiterbestellung von Lehrern vorgeworfen. Die Vorwürfe kommen zwar offiziell von einem "unabhängigen Personenkomitee", doch Reinhard Dumser, Vorsitzender der Sozialdemokratischen Lehrer, weiß genau über sie Bescheid. Er kritisiert, dass die Rektorin etwa Lehrer strafversetze: "Sie ist ausfällig gegen SPÖ-nahe Lehrer und agiert wie ein Elefant im Glashaus". Dumser ist auch persönlich involviert, seine Frau unterrichtete ein Jahr lang an der Pädagogischen Hochschule. Er summiert: "Der Lehrerbildung wäre ein guter Dienst erwiesen, wenn Rektorin Hackl zurücktreten würde".
Für die Aus- und Fortbildung von Lehrern hat die Pädagogische Hochschule dann hoffentlich wieder im Herbst Zeit.
Quelle: "profil" Nr. 31/09 vom 27.07.2009, Seite: 39, Ressort: Österreich, Autorin: Eva Linsinger

