Mo

06

Jul

2009

Lernen wir endlich aus dem Gelernten

Gut, dass dieses Schuljahr vorbei ist. Im nächsten muss sich vieles ändern.

Die Ferien fangen an, endlich. Es war ein anstrengendes, aufreibendes Schuljahr. Alle haben viel gelernt: Die Schülerinnen und Schüler sowieso, die Lehrer, die Eltern. Und die Unterrichtsministerin: Die hat gelernt, dass die Lehrer harte Verhandler sind.

 

Die Lehrer haben gelernt, dass ihre Bedenken und Wünsche (und seien sie auch berechtigt) in einer krisengepeinigten Bevölkerung nur bedingt Resonanz finden, dass die Lehrergewerkschaft im Fach "Interessensvermittlung" dringenden Nachhilfe-Bedarf hat und dass eine fritzneugebauerförmige Lobby in dieser Hinsicht ziemlich kontraproduktiv sein kann. Die Eltern haben gelernt, dass sie bei der Bildung ihrer Kinder gerne mitreden dürfen, und am Ende die Entscheidungen ohne ihr Zutun getroffen werden.

Gemeinsam haben wir gelernt, dass man monatelang über die Schule debattieren kann, ohne dabei das Thema Bildungsreform auch nur zu streifen. Möge das im nächsten Jahr besser werden. Auf das Wesentliche fokussiert: Die bestmögliche Schulbildung für unsere Kinder. Und zwar für alle, ungeachtet ihrer Herkunft und ihres sozialen Umfelds. Denn was in der Schule geschieht, bestimmt nicht nur über die individuelle Zukunft des einzelnen Schulkindes, sondern über die Zukunft der Gesellschaft.

 

Selektion
Wir müssen uns fragen, ob es richtig ist, wenn wir schon bei den Zehnjährigen eine Selektion in Elite und Unterdurchschnitt durchführen, in würdig und unwürdig, eine Selektion, die vorwiegend die sozial Schwachen betrifft und sie weiter schwächt. Wir müssen uns fragen, ob wir nicht Gräben samt den dazugehörigen Spannungen zementieren. Die aktuelle Wirtschaftskrise verstärkt das noch.

 

Wir müssen unbedingt darüber reden, welche intellektuellen und sozialen Fähigkeiten unsere Kinder und Jugendlichen in der Schule erwerben müssen. Wir müssen ehrlich und vorausschauend darüber diskutieren, ob die Institution Schule in dieser Form und mit diesem Stundenplan zeitgemäß ist - und wenn nicht, dann müssen wir sie verändern. Wir müssen illusionslos darüber sein, dass immer mehr Eltern ihre Erziehungsaufgaben immer weniger wahrnehmen, sie dem Fernsehen, dem Internet und der Computerspiel-Industrie überlassen: Dass sie einfach zusehen, wie ihre Kinder verblöden, verfetten, verderben und Gewalt als einzig lebende Fremdsprache lernen. Wir müssen zu einem klaren Konsens darüber kommen, dass die Bildungseinrichtungen das nicht ignorieren dürfen.

 

Es geht nicht nur darum, welche Zukunft wir unseren Kindern hinterlassen, sondern wie wir sie zu starken, sicheren Menschen formen können, die mit dieser Zukunft fertig werden. Ja, wir müssen sie humanistisch bilden, aber wir müssen sie auch Selbstwert und Selbstvertrauen lehren, Mut, Glück und einen gesunden, respektvollen Umgang mit sich und ihrer Umwelt. Wir müssen ihr Rückgrat stärken, damit sie aufrecht in der Gegenwart stehen. Dann haben sie auch eine Zukunft.

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