Di

16

Jun

2009

TALIS - Ergebnisse der Lehrer-Studie in Kurzform

Erste OECD-Lehrerstudie über Arbeitsbedingungen und Lernumfeld

Bei der am Dienstag (17.06.2009), veröffentlichten ersten OECD-Lehrerstudie TALIS (Teaching and Learning International Survey) wurden Lehrer und Schuldirektoren an AHS-Unterstufen und Hauptschulen in 23 Ländern, darunter Österreich, über ihre Arbeitsbedingungen und das Lernumfeld befragt. Im Folgenden ausgewählte Ergebnisse der Studie in Kurzform.

UNTERRICHTSZEIT und KLASSENKLIMA:

In den meisten Ländern, auch in Österreich, kann jeder vierte Lehrer mindestens 30 Prozent seiner Unterrichtszeit aufgrund des störenden Verhaltens der Schüler oder administrativen Tätigkeiten nicht lehren. Dennoch berichten die österreichischen Lehrer über ein positives disziplinäres Klima in den Klassen, deutlich über dem internationalen Durchschnitt.

 

JOB-ZUFRIEDENHEIT:

Die Zufriedenheit der österreichischen Lehrer mit ihrer Arbeit ist hoch und liegt mit 93 Prozent über dem Durchschnitt der teilnehmenden Länder (90 Prozent).

 

RESSOURCENMÄNGEL:

Jeder zweite Lehrer (48,8 Prozent) arbeitet an einer Schule, deren Direktor meint, dass der Unterricht durch einen "Mangel an qualifizierten Lehrern" behindert wird. Bei 69 Prozent macht sich der Mangel an unterstützendem Lehrpersonal (Sozialarbeiter etc.) negativ bemerkbar, bei 78 Prozent der Mangel an sonstigem unterstützendem Personal (Sekretärin etc.).

 

WEITERBILDUNG:

96,6 Prozent der österreichischen Lehrer und damit ein international überdurchschnittlicher Anteil hat in den vergangenen 18 Monaten Weiterbildung absolviert. Mit elf Tagen war die Dauer der Weiterbildung allerdings unterdurchschnittlich (TALIS-Schnitt: 17 Tage). Mit 14 Tagen Weiterbildung waren Lehrer an Hauptschulen fleißiger als ihre Kollegen von den AHS (zehn Tage). 45 Prozent der Lehrer geben an, gerne mehr Fortbildungen machen zu wollen, 64 Prozent scheitern allerdings daran, dass es kein passendes Angebot gibt.

 

EVALUIERUNGEN:

42 Prozent der österreichischen Lehrer arbeiten in Schulen, die in den vergangenen fünf Jahren nicht intern evaluiert wurden (TALIS-Schnitt: 20 Prozent), 58 Prozent an Schulen, die in diesem Zeitraum nicht extern überprüft wurden (TALIS-Schnitt: 30 Prozent).

 

FEEDBACK:

18 Prozent der österreichischen Lehrer erhalten vom Direktor nie Feedback über ihre Arbeit, im TALIS-Schnitt sind es 22 Prozent. Gleichzeitig arbeiten an Österreichs Schulen mehr Lehrer als in anderen Ländern, wo leistungsschwache Lehrer keine Auswirkungen wie Entlassung oder Gehaltseinbußen hinnehmen müssen. Mehr als 85 Prozent der österreichischen Lehrer glauben, dass sie keine Anerkennung dafür erhalten, wenn sie die Qualität ihres Unterrichts verbessern würden. Und selbst wenn Feedback gegeben wird, hat dieses im Gegensatz zu vielen anderen Ländern kaum konkrete Auswirkungen: So gibt es praktisch keinen Lehrer in Österreich, der über Gehalts- und nur fünf Prozent, die über Karriereauswirkungen berichten.

 

FRAUENANTEIL:

Dass der Lehrberuf weiblich ist, bestätigt sich nicht nur in Österreich (69 Prozent der Lehrer sind Frauen), sondern auch international (TALIS-Schnitt: knapp 70 Prozent). Dagegen sind aber im internationalen Schnitt 45 Prozent der Direktoren weiblich, in Österreich aber nur 29 Prozent.

ALTER: Im Schnitt der teilnehmenden Länder sind 27 Prozent der Lehrer über 50 Jahre alt, in Österreich sind mehr als 40 Prozent jenseits der 50.

 

TEAMWORK:

In einigen Bereichen fällt die Kooperation der Lehrer untereinander überdurchschnittlich aus: Am häufigsten tauschen heimische Lehrer Unterrichtsmaterialien aus (59 Prozent; TALIS-Schnitt: 47 Prozent), im Team unterrichten 39 Prozent "monatlich bis wöchentlich" (TALIS-Schnitt: 29), weniger Lehrer als im Schnitt der übrigen Länder vergeben fächerübergreifende Hausaufgaben (10 Prozent; TALIS-Schnitt: 24 Prozent).

Quelle: APA0421 II, XI 16.06.2009 14:14:47

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